Robocom 2026

Hildegard von Bingen schrieb dereinst: „Feuer, Wasser, Luft und Erde sind im Menschen, aus ihnen besteht er. Vom Feuer hat er die Wärme und die Sehkraft, vom Wasser das Blut und die Bewegung , von der Luft den Atem und das Gehör und von der Erde das Fleisch und das Aufrechtgehen.“ Erstaunlicherweise passt diese aus heutiger Sicht eher esoterische anmutende Beschreibung gut zur Teilnahme der Roboter-AG an der Robocom, die an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen stattfand.

Die Wärme stellt dabei in diesem Jahr eine fundamentale Rahmenbedingung dar. Trotz 38 Grad Außentemperatur und Hitzefrei an den meisten Schulen reisten alle 16 Teams aus ganz NRW an, um in einem rundum verglasten Raum ein paar Dutzend Computern nebst Robotern zu betreiben. Dort sahen sie aber nicht die anderen Teams, sondern auch das Vorrausschauen unseres Gastgebers, der zusammen mit der Haustechnik der Fachhochschule alles Menschenmögliche unternommen hatte, um den Robotern nebst mitreisenden Menschen einen tollen, spannenden und erlebnisreichen Tag zu bieten, der von Sportsgeist und Miteinander geprägt war.

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Wasser wurde nicht nur kostenfrei für alle Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt, sondern zeigte sich nach Hildegard von Bingen auch anhand von viel Bewegung, die die Teilnehmer des Wettbewerbs erfasste. Während die Menschen ameisengleich herumwuselten, um den zuvor mit viel Zeit, Einsatz, Kreativität sowie einer Prise Hoffnung konstruierten und programmierten Robotern vor Ort den letzten Schliff zu verpassen, begannen die Roboter die ersten Trainingsrunden. Jedes Team bekam 2,5 Minuten auf der Wettkampfmatte, um auf dieser Grundlage letzte Umbauten vorzunehmen – vielfach wurden zum Beispiel Lichtsensoren besser abgeschirmt, um präzisere Erfassungen vornehmen zu können – oder am Code zu tüfteln, der den seelenlosen Konstrukten genug künstliches Leben einhauchen sollte, um beide Aufgaben des Wettkampfs autonom lösen zu können.

Die Luft mit ihren elementartheoretischen Ausprägungen spielte auch eine gebührende Rolle: so hielt nicht nur das eigene Team oftmals den Atem an, wenn der Roboter selbstständig einer schwarzen Linie folgte, was den ersten Aufgabenteil darstellte. Hierbei waren die Beschaffenheit des Bodens und die Lichtverhältnisse für so manchen Roboter eine Herausforderung – die Wettkampfbedingungen vollständig und akkurat im Vorfeld in der Schule nachzubauen ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Hören konnte man dann aber oftmals auch Jubel, besonders, wenn der zweite Aufgabenteil funktionierte wie geplant: der Roboter musste einen 30 cm hohen, 3D-gedruckten Quader, der auf der schwarzen Linie stand, erkennen und ihn zum einen Umdrehen, so dass die auf der Erde stehende Seite nun in die Luft ragte. Zum andern musste der Quader die schwarze Linie berühren und mindestens drei Sekunden lang frei stehen bleiben.

Getreu dem Element der Erde blieben alle Teams aber auf dem Boden der Tatsachen, feierten auch die Erfolge der anderen Teams und fieberten gemeinsam mit, wie die höchst unterschiedlich konstruierten Roboter die Aufgaben meisterten. So verfügten einige Roboter über einen Arm, mit dem sie den Quader greifen und vor sich rotieren lassen konnten. Andere nutzen den Arm, um den Quader über den ganzen Korpus des Roboters hinweg nach hinten zu stellen. Hierbei waren viele Gegengewichte notwendig, damit der Roboter bei einem derart großen Quader hinterher selbst noch aufrecht stand. Zwei Teams, von denen wir eines waren, hatten den Roboter oben mit Förderbändern versehen – was recht gut zur Region des Ruhrgebiets passte. Hierbei wurden jedoch keine Kohle, die heutzutage ja vielfach vor allem zum Grillen von Fleisch verwendet wird, auf diesen Bändern transportiert, sondern der Quader wurde vom Roboter darauf gekippt, um auf der anderen Seite seitenverkehrt wieder aufrechtstehend aufgestellt zu werden.

Hildegard von Bingen scheint daher beinahe prophetisch tätig geworden zu sein. Leider reichte die Voraussicht nicht, um uns auf das Siegertreppchen zu bringen, aber im Vergleich zum ZDI-Wettbewerb haben wir uns um vier Plätze verbessert. Rechnerisch gewinnen wir daher 2029 die Robocom – versuchen werden wir es aber mit Sicherheit schon vorher, denn dieser toll gemachte Wettbewerb brilliert nicht nur durch seine offenen Aufgaben, die kreatives Denken ermöglichen, sondern auch durch die Menschen, die den tollen Tag gemeinsam gestalten und erleben.

Schließen wir den Tag daher mit einem moderneren Zitat, dass zur Sehnsucht der Menschen im hitzegeplagten Ruhrgebiet, aber auch zum Teamgeist passt, den unser und die anderen Teams an diesem Tag gezeigt haben. So schrieb Peter Høeg in Fräulein Smillas Gespür für Schnee: „Ich habe bei Menschen nie an Kälte geglaubt. An Verkrampfung schon, aber nicht an Kälte. Das Wesen des Lebens ist Wärme.“